09/2026: Von Geisterfahrern, Widerstand und Pokémon-Karten
Was haben ein Geisterfahrer, verschränkte Arme und Pokémon-Karten mit der öffentlichen Verwaltung zu tun? Mehr als man zunächst denkt. Zumindest bei unserer letzten Ausgabe von GeScheiterWeiter am 24. September.
Zwei Speaker, zwei ziemlich unterschiedliche Geschichten und eine gemeinsame Frage: Wie gehen wir mit Widerstand um, wenn wir etwas verändern wollen?
Bei GeScheiterWeiter, unserer Fuckup Night der öffentlichen Verwaltung, sprechen Menschen offen über Herausforderungen, gescheiterte Vorhaben und die Erfahrungen, die sie daraus mitgenommen haben. Auch dieses Mal ging es um Veränderung, ungewohnte Perspektiven und darum, was passiert, wenn neue Ideen auf bestehende Strukturen treffen.
Das Besondere am Format: GeScheiterWeiter findet in einem digitalen Raum statt, in dem sich die Teilnehmenden mit kleinen Avataren bewegen können. So entstehen auch abseits der Vorträge Gespräche und Begegnungen, fast wie bei einer Veranstaltung vor Ort.
_Sprecher:innen.
Manfred Walter aus Pappenheim sowie André Geier aus dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin waren als Sprecher zu Gast in der Veranstaltung. Es war ein interessanter und inspirierender Mix aus Erfahrungen, Erkenntnissen und unerwarteten Wendungen.
_Worum ging es diesmal?
Wenn man sich plötzlich, wie ein Geisterfahrer fühlt
„Spannung ist erst einmal eine objektive Feststellung, kein Gefühl.“
Mit diesem Gedanken brachte Manfred Walter, der als geschäftsführender Vorstand für „Jugend & Engagement“ sowie als Heimatpädagoge bei der Evangelischen Landjugend (ELJ) gGmbH tätig und damit fest im kirchlichen Umfeld verwurzelt ist, eine Perspektive auf Veränderungsprozesse ein, die im Arbeitsalltag schnell untergeht.
Unter dem Titel „Echt Gott? Ich soll das machen?“ sprach er über Unternehmensgeist in kirchlichen Einrichtungen und darüber, wie es sich anfühlt, innerhalb bestehender Strukturen neue Wege gehen zu wollen. Denn wer etwas verändern möchte, stößt nicht unbedingt sofort auf Begeisterung. Gewohnte Abläufe, unterschiedliche Vorstellungen und Unsicherheiten können dazu führen, dass man sich mit seinen Ideen ziemlich allein fühlt. Manfred beschrieb dieses Gefühl mit einem passenden Bild: Manchmal kommt man sich vor wie ein Geisterfahrer. Sein Vortrag zeigte, wie herausfordernd es sein kann, Veränderungen anzustoßen, wenn das eigene Umfeld zunächst in eine andere Richtung denkt.
Und dass Widerstand nicht automatisch bedeutet, dass eine Idee falsch ist. Die wertvollste Person im Raum hat die Arme verschränkt. André Geier, CTO im Bundeswirtschaftsministerium und Agile Coach, brachte eine ganz andere Perspektive auf das Thema Widerstand mit. Sein Satz „Die Person, die keine Lust hat, ist die wertvollste im Raum“ dürfte bei einigen Teilnehmenden Erinnerungen an ähnliche Situationen von Teilnehmenden oder Kolleginnen aus ihren eigenen Workshops oder Besprechungen geweckt haben.
Gemeint ist genau die Person, die wahrscheinlich viele aus Workshops oder Besprechungen kennen: Die Arme sind verschränkt, die Begeisterung hält sich in Grenzen. Während solche Reaktionen häufig als störend wahrgenommen werden, schlug André vor, genauer hinzuschauen. Denn gerade hinter ablehnenden Haltungen können wichtige Hinweise stecken. Und wie bringt man Menschen dazu, sich mit solchen Verhaltensweisen auseinanderzusetzen, ohne dass sich gleich jemand persönlich angegriffen fühlt? Zum Beispiel mit Pokémon-Karten.
Inspiriert vom Pokémon-Kartensammeln mit seinem Sohn entwickelte André eigene Charakterkarten für typische Persönlichkeiten aus dem Verwaltungs- und Workshopalltag.
Da gibt es beispielsweise „Bürokraton“ mit stolzen 100 Punkten in „Immer so gemacht“ oder den „Spielgnor“, dessen besondere Stärke 80 Punkte in „Armverschränkung“ sind. Mit einer guten Portion Humor ermöglichen die Karten, über Widerstände, Unsicherheiten und festgefahrene Rollen ins Gespräch zu kommen, ohne direkt mit dem Finger auf einzelne Personen zu zeigen. Inzwischen ist daraus eine wachsende Kartensammlung geworden, die André auch in seinen Workshops einsetzt.
Zwei Geschichten, viele Perspektiven
Ob Unternehmensgeist in kirchlichen Einrichtungen oder Pokémon-Karten im Workshop: Manfred und André näherten sich dem Thema Veränderung aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Beide Geschichten machten deutlich, wie unterschiedlich Widerstand aussehen kann und wie viel es bringt, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Eine Rückmeldung aus der Abschlussrunde brachte den Abend auf den Punkt: „Beides Erfolgsgeschichten.“
Auch die Zusammensetzung unserer Teilnehmenden zeigte, wie viele unterschiedliche Perspektiven bei GeScheiterWeiter zusammenkommen. Dieses Mal waren Menschen u.a. aus Berlin, Schwerin, Stuttgart und Wiesbaden dabei. Die meisten kamen aus der kommunalen Verwaltung, aber auch die Landes- und Bundesebene waren vertreten. Etwa die Hälfte nahm zum ersten Mal an GeScheiterWeiter teil, während die andere Hälfte das Format bereits kannte.
Und nach den Vorträgen?
Nach zwei Vorträgen, zwei neuen Tassenbesitzern und einer letzten Mentimeter-Runde war der Abend noch nicht ganz vorbei. Die beiden Speaker durften sich zum Abschluss wie gewohnt eine Tasse aus unserer GeScheiterWeiter-Kollektion aussuchen, die sie als kleines Dankeschön zugeschickt bekommen. Der digitale Raum blieb weiterhin offen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und Gedanken aus den Vorträgen weiterzuspinnen.
Denn genau davon lebt GeScheiterWeiter: von Menschen, die ihre Erfahrungen teilen, einander zuhören und auch über die Dinge sprechen, die nicht auf Anhieb funktionieren.
Vielen Dank an Manfred und André für ihre offenen Einblicke, die ungewöhnlichen Perspektiven und die Geschichten, die sie mit uns geteilt haben. Und natürlich an alle Teilnehmenden fürs Zuhören, Mitdiskutieren und Vernetzen!
Wir freuen uns schon auf das nächste Mal.
Die nächste Ausgabe von GeScheiterWeiter findet am 03.12 statt. Hier geht’s zur Anmeldung: GeScheiterWeiter – Machgeschichten aus der Verwaltung Tickets, Donnerstag, 3. Dezember • 17:00 – 19:00 CET | Eventbrite









